Sein Kreis schließt sich in Dubai: Dort, wo er im Juni 2009 zum ersten Mal das Nationaltrikot überstreifen durfte, beendete Fußballprofi Christian Träsch jetzt seine Karriere. Unsere DISD-Fußballmaschaften hatten im Oktober die Möglichkeit, mit dem Ex-Nationalspieler eine Trainingseinheit zu absolvieren. Seine Profilaufbahn begann Christian Träsch 2008 beim VfB Stuttgart. Auf 207 Bundesliga-Spiele, 33 Europacup-Partien und zehn Länderspiele kann er zurückblicken. Als ein Highlight gewann er 2015 mit dem VFL Wolfsburg den DFB-Pokal. Zuletzt spielte er beim Al Wasl Football Club in Dubai. Jetzt stellte sich der heute 34-Jährige den Fragen unser Schüler*innen. Fußball-Nachwuchstalent Milla Frömmel (8b) und CCA-Koordinator Karl Habermann führten das Interview. Das komplette Gespräch finden Sie auf unserem Youtube-Kanal.

Milla: Wann hast du dich entschieden, Fußballprofi zu werden und wie sah dein Weg dahin aus?

Christian Träsch: Naja, richtig entschieden habe ich das nicht. Ich hab mit 4 Jahren angefangen, Fußball zu spielen. Zum ersten Geburtstag habe ich einen Ball geschenkt bekommen und bin nur noch dem Ball hinterhergelaufen. Als Jugendlicher habe ich gemerkt, dass es mir unglaublich viel Spaß macht und als ich dann bei 1860 München im Nachwuchsleistungszentrum war, hat sich der Weg zum Profi hin entwickelt. Dass ich tatsächlich Profi werde, war da allerdings auch noch nicht absehbar.

 

Milla: Wie bist du damit umgegangen zu Beginn deiner Fußballerkarriere, einen Großteil deiner Zeit von deiner Familie getrennt zu sein?

Christian Träsch: Es war zuerst eine schwere Zeit. Ich bin mit 15 von zu Hause ausgezogen. Plötzlich war ich auf mich alleine gestellt. Natürlich gab es den Internatsleiter und es waren viele ältere Spieler da. Es war eine sehr lehrreiche und auch schöne Zeit. Ich musste lernen, Wäsche zu waschen, ich musste mich selbst versorgen. Ich habe damals 125€ bekommen, mit dem man in München relativ schlecht zu Recht kommt. Es waren einfach viele Sachen, die ich im frühen Alter schon gelernt hab. Es war auch schön festzustellen, dass man ohne Eltern kann. Es gab in München viele Möglichkeiten feiern zu gehen, auch schon in jungen Jahren. Es war eine sehr, sehr schöne Zeit im Internat.

Milla: Beim VFL Wolfsburg warst du eine Saison Mannschaftskapitän. Was bedeutete das für dich und welche Verantwortung ging damit einher?

Christian Träsch: Es war eine sehr große Verantwortung. Du entscheidest viel für die Mannschaft, vor allem auch neben dem Platz. Du sollst vorne weg marschieren. Für mich war das sehr schwer. Ich bin mit 23 zum VFL Wolfsburg gekommen und war damals die höchste Ablöse, die der VFL je bezahlt hat. Ich kam erst eine Woche vor Saisonstart ins Team. Dass man da direkt akzeptiert wird als Kapitän einer Mannschaft, ist relativ schwierig. Wir hatten aber auch einen schweren Start und sind im Pokal direkt ausgeschieden gegen den damaligen Drittligisten RB Leipzig. Das ist sehr unglücklich gelaufen. Die ganze Saison sind wir unter den Erwartungen geblieben. Wir wollten international spielen und sind nur Siebter geworden. Es ist viel auf mich eingeprasselt. Der Kapitän wird oft als der Schuldige dargestellt, wenn es nicht läuft. Es wird dann gesagt, er kann die Mannschaft nicht führen.

Milla: Hast du dich als Kapitän wohl gefühlt?

Christian Träsch: Eher nicht so. Ich wurde ein bisschen in die Situation reingedrängt. Als teuerster Einkauf musst du vorne weg marschieren. Ich war einer der wenigen Nationalspieler. Und ich wurde in eine Rolle reingedrängt, die ich nicht unbedingt wollte.

 

Milla: Was hat es für dich bedeutet, in der A-Nationalmannschaft zu spielen?

Christian Träsch: Es ist ein besonderes Gefühl. Ich weiß noch ganz genau, als ich nominiert wurde. Jogi Löw hat mir mitgeteilt, dass wir eine Asienreise machen. Ich war extrem aufgeregt, als ich Jogi Löw gegenübersaß. Auch als ich dann das erste Mal das National-Trikot angezogen hab. Das war hier in Dubai. Ein echter Zufall. Es war ein besonderer Moment, die Nationalhymne zu siegen. Es macht einen richtig stolz, sein Land zu präsentieren.

 

Milla: Hast du rückblickend in deiner Karriere eine Entscheidung bereut?

Christian Träsch: Die Kapitänsbinde anzunehmen war vielleicht ein großer Fehler von mir. Aber wenn du neu bist und kriegst das Amt angeboten, dann nimmst du es natürlich gerne an. Es ist schwer „nein“ zu sagen. Vor allem unter Felix Magath ist es schwer nein zu sagen (lacht). Vielleicht war das ein Fehler. Aber sonst kann ich nicht sagen, dass ich irgendetwas bereut hab. Ich würde es allerdings auch nicht noch einmal machen, noch einmal 20 sein. Ich glaube, der Druck ist noch ein Stück größer geworden, weil die Spieler immer jünger werden.  Bei Dortmund ist ein 16-Jähriger Profi.  Das ist mittlerweile extrem geworden.

 Milla: Hattest du einen Ernährungsplan und wie sah der aus?

Christian Träsch: (lacht) Später ja, anfangs nein. Als ich im Internat gewohnt hab, waren wir auf uns alleine gestellt. Da gab es öfters Pizza. Mittlerweile ist das anders. Und wenn du Profi bist, hast du meistens einen Koch. Du kannst zum Frühstück gehen, es gibt Mittagessen und kannst dir auch Essen mit nach Hause nehmen.

Milla: Nach 2 Jahren Dubai gehst du zurück nach Deutschland. Freust du dich schon?

Christian Träsch: Ja. Wir freuen uns sehr darauf, mit den Kindern wieder mehr in die Natur zu gehen. Und ich kann mit meinem Trainerschein anfangen. Nichtdestotrotz werden wir Dubai auf alle Fälle sehr vermissen.